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DR.BU
Hac
Im Kältefieber : Februargeschichten 1934
Hackl, Erich, 2014| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-7117-2009-2 |
| Verfasser | Hackl, Erich
|
| Verfasser | Polt-Heinzl, Evelyne
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| Beteiligte Personen | Hackl, Erich
|
| Beteiligte Personen | Polt-Heinzl, Evelyne
|
| Systematik | DR.BU - Bewährte Unterhaltung |
| Interessenskreis | bewährte Unterhaltung |
| Schlagworte | Österreich, Anthologie, österreichischer Bürgerkrieg, Schutzbund, Heimwehr, Ständestaat, 1934 |
| Verlag | Picus-Verl. |
| Ort | Wien |
| Jahr | 2014 |
| Umfang | 326 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Erich Hackl ; Evelyne Polt-Heinzl (Hg.). Mit einem Vorw. von Erich Hackl |
| Annotation | Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Martha Gottschamel; Aufbereitung des Bürgerkriegs 1934. (DR) Das Buch ist eine Sammlung von über vierzig Geschichten unterschiedlicher Autoren über den österreichischen Bürgerkrieg 1934. Dabei gibt es Texte, die nur wenige Seiten lang sind und die Stimme der Arbeiter wiedergeben, genauso wie längere Texte, in denen die "unbeteiligte" Bevölkerung wie etwa Bedienstete in besetzten Häusern zu Wort kommt. Je nach Autor/Autorin wechseln Stil und Sprache; das Buch ist auch ohne historisches Hintergrundwissen über die Vorfälle gut verständlich. Bei einigen Texten - besonders bei jenen, die Ausschnitte längerer Werke sind - fällt der Einstieg allerdings schwer, da keine weiteren Informationen über die Texte gegeben werden. Die vielen unterschiedlichen Blickpunkte laden dazu ein, sich weiter mit dem Thema zu befassen. Das Buch ist für alle größeren Bibliotheken mit Geschichte-Schwerpunkt zu empfehlen. ---- Quelle: Literatur und Kritik; Autor: Karl Wimmler; Gekämpft statt hineingeschlittert - Februargeschichten 1934 Die Anthologie "Im Kältefieber" von Hackl/Polt-Heinzl W em sagen die Namen Erich Barlud, Melitta Breznik, Tibor Déry, Martha Florian, John Gunther etwas? Gar im Zusammenhang mit Literatur? Wer weiß, dass die US-Frauengeschichtsforscherin Gerda Lerner als Wienerin Margarethe Rainer, dass die Jugoslawen Preihov Voranz (Slowene) und Miroslav Krlea (Kroate) die Februarkämpfe 1934 in Österreich literarisch verarbeitet haben? Und scheint es nicht ein im heutigen kulturpoltischen Mainstream als nachgerade esoterisches Unterfangen, literarische Arbeiten in einem Buch unter dem Aspekt eines gemeinsamen Bezugs zu einem geschichtlichen Ereignis zu versammeln, bei dem sich Arbeiter und andere Lohnabhängige, Hausfrauen und einige Intellektuelle gewaltsam gegen ein despotisches, unterdrückerisches Herrschaftssystem erhoben - und niedergeschlagen wurden? Sind - abseits von aller Literatur - die Februarkämpfe des Jahres 1934 in Österreich heutzutage nicht dem öffentlichen Bewusstsein so gut wie entschwunden, während achtzig Jahre danach fast kein Tag vergeht, an dem nicht das unheilvolle Verhängnis beschworen wird, in das "die Welt", "die Völker", "die Regierungen" vor hundert Jahren ahnungslos "hineingeschlittert" sind, das "Schlafwandler"-Buch eines Historikers just in Deutschland und Österreich gehypt wird, als ob alle Geschichte Kismet wäre, weil "getreu dem unerforschlichen Willen des Allmächtigen" in unseren Breiten nicht mehr so unwidersprochen ankommt? Wer Werke von Erich Hackl kennt, weiß, dass ihn die Ohnmächtigen und Unterdrückten interessieren, vor allem aber jene, die aus der Ohnmacht ausbrechen, die Widerständigen. Und dass er in diesen nicht nur die Einzelnen sieht, sondern sie als Protagonisten von Kollektiven kenntlich macht. Auch dann, wenn die Kollektive klein und schwach sind und unterliegen. Es ist daher kein Zufall, dass für ihn die Februarkämpfe des Jahres 1934, der sogenannte Schutzbundaufstand, ein zentrales Ereignis der österreichischen Geschichte darstellen. Dafür, dass das nicht als abwegige Marotte eines Sonderlings abgetan werden kann, zitiert er in seinem Vorwort zutreffend und mit Recht Hilde Spiel als Zeugin: "Niemand will jenen glauben, für die der Februar 1934 einen härteren Einschnitt bedeutet hat als der Anschluß", schrieb sie in ihren Erinnerungen. "Als nach jahrelangen Gefechten in Spanien Madrid fiel, wurde in einer Gruppe von Londoner Exilanten einer Frau der Vorwurf gemacht, daß sie keine Tränen finde. Sie sagte: Ich habe schon bei Barcelona geweint. Wir weinten in jenem Februar. Was vier Jahre später geschah, war entsetzlich, aber vorhersehbar gewesen für alle, die ihre Augen nicht davor verschließen wollten." Schon dem Inhaltsverzeichnis der Anthologie kann der eigentlich sonderbare Umstand abgelesen werden, dass dieser Bürgerkrieg für die etablierte, kanonisierte Literatur kein Thema war. Die Autoren sind entweder unbekannt wie die einleitend Genannten oder, wie Hackl schreibt, "gelten als bloße Außenseiter (Jura Soyfer, Veza Canetti, Michael Guttenbrunner, Reinhard Federmann) oder werden, wie Jean Amery, Ulrich Becher und Robert Neumann, alle zehn Jahre aufs neue entdeckt - und bald wieder vergessen". Und auffällig ist für Hackl auch, "daß selbst konservative, ja reaktionäre Schriftsteller in ihren Romanen und Erinnerungen keine oder nur geringe Sympathien für die austrofaschistische Galgendiktatur aufgebracht haben". Ob es klug war, den Sonderfall Karl Kraus nicht wenigstens anzusprechen, bleibe dahingestellt. Ihn zu behandeln oder zu zitieren hätte vermutlich den Rahmen einer solchen Anthologie gesprengt. Seine durchaus solitäre Position ist meines Erachtens bis heute nicht ausreichend verstanden und untersucht. Die Bezugnahme auf ihn beschränkt sich - ähnlich wie das durchaus oberflächliche mittlerweise epidemisch-geistlose Repetieren von Szenen aus den "Letzten Tagen der Menschheit" im hundertsten Jahr nach dem Weltkriegsbeginn ("Bizarr muß das Marstheater sein"! - Bugtheater- und Salzburg-Regisseur Schmiedleitner) - in der Regel auf das Zitieren einiger mehr oder weniger bekannter aus dem Zusammenhang gerissener Kraus-Sätze zwischen 1933 und 1936, mit denen jeder je nach Bedarf um sich schlägt. Mit Evelyne Polt-Heinzl stand Hackl eine Mitherausgeberin zur Seite, die kenntnisreich und findig dazu beitrug, Texte zutage zu fördern, die ohne diese Anthologie unzugänglich oder vergessen wären. Und man geht vermutlich nicht fehl in der Annahme, dass die Auseinandersetzung der beiden Herausgeber um die Aufnahme des einen und den Ausschluss des anderen Textes alles andere als einfach war. Gut dass Hackl im Vorwort nachvollziehbar werden lässt, warum manche Texte fehlen. Gut aber auch, dass einige noch am ehesten bekannte dennoch drin sind. Wie jene von Anna Seghers, Franz Kain oder Oskar Maria Graf. Der Aufbau der Sammlung, auf den sich die Herausgeber verständigt haben, ist nachvollziehbar von inhaltlichen Erfordernissen geleitet: Vorkrieg ("In Bereitschaft"). Krieg ("Es schießt"). Die weibliche Seite ("Vier Frauen und ein Polizist"), Hackl: "Verblüffend oft stehen Frauen im Zentrum der Prosastücke (auch der Frauenanteil unter den Autoren ist hoch)". Zentrum - Peripherie ("Das rote Herz der Provinz"). Ausland ("Jenseits der Donau"). Nachkrieg ("Vorbei, nicht vergangen"). Und als siebenter und letzter Abschnitt, der von einem einzigen Autor bestritten wird, folgt ein fulminantes Finale: Miroslav Krleas unmittelbar unter dem Eindruck der Ereignisse verfasstes essayistisches Pamphlet von 1934, das mit der Ankündigung der Wiener Faschingsbälle in der "Neuen Freien Presse" vom 11. Februar 1934 beginnt und so endet: "Falls sich in achtzig Jahren (2014) wieder einmal jemand in unserer Situation befinden sollte, die Wiener Grafen und Gräfinnen auf den slawischen Bällen unter Kanonendonner und im Schatten der Galgen zu beschreiben, erinnere dieser jemand sich, daß es in Wien vor achtzig Jahren (1934) und vor hundertsechzig Jahren (1848) so war, wie auch vor dreihundertsechsundneunzig Jahren (1618), und daß man in Wien seit Menschengedenken im Schatten von Galgen und Kanonendonner tanzt." Manchmal kreuzen sich die Wege ähnlich Gesinnter im literarischen Betrieb auf sonderbare Weise. Nahezu zeitgleich mit der Anthologie von Hackl/Polt-Heinzl erschien eine zweite zur selben Thematik (Alexander Weiss (Hg.): "Als der Aufstand losbrach" Lesebuch zum Februar 1934, Wien, edition tarantel). Ich befasse mich hier 1a2d ausdrücklich nicht mit diesem Buch. Nur so viel: Dessen Herausgeber stieß zufällig, so schreibt er im dortigen Vorwort, während seiner Recherchen auf die Vorarbeiten Hackls und Polt-Heinzls, was dazu führte, dass letztlich lediglich vier Texte in beiden Büchern gleichzeitig erscheinen. Dem Außenstehenden scheint also, dass die Beteiligten kleinliche Animositäten in diesem vertrackten Fall trotz der sicherlich nicht unproblematischen Ausgangslage vermeiden konnten. Was in vergleichbaren Fällen auch anders gehandhabt werden dürfte. Oft mag es scheinen, Literatur, vor allem jeweils neue Literatur, sei eine Frage des Jetzt, des Reagierens auf das Heute, des heutigen Anderen, des sprachlichen Seins. Das alles ist sie wohl auch. Aber ein bedeutender Teil aller Literatur bezieht seinen Antrieb aus der Vergangenheit, ihrer Betrachtung, ihren Resultaten, ihren Konsequenzen und Wirkungen für die Gegenwart. Dies durchaus nicht in erster Linie oder gar nur im gesellschaftlichen oder politischen Sinn, sondern im Hinblick auf die Person der Schreibenden und ihres Umfelds. Es ist unzweifelhaft ein Verdienst der vorliegenden Anthologie, solcherlei Art von Literatur, die allzu oft nur als realistisch - statt "künstlerisch wertvoll" - diskreditiert wurde, mehr Gehör verschaffen zu wollen. Das ist unbequem. Und stört das Tanzen im Schatten von Galgen und Kanonendonner. Weshalb zweifelhaft ist, ob es von Erfolg gekrönt sein wird. Notwendig ist es allemal. ---- Quelle: Pool Feuilleton; Der Österreicher ist ein begeisterter Kaiser-Fan, SUV-Driver und Schifahrer, da hat er es nicht gern, wenn er an Diktatur und Bürgerkrieg erinnert wird. Anlässlich 80 Jahre Österreichischer Bürgerkrieg haben Erich Hackl und Evelyne Polt-Heinzl ein Lesebuch zu den Februartagen 1934 herausgebracht. Nicht nur der "Termin" des Bürgerkrieges wird geflissentlich verdrängt, auch die Texte darüber sind längst unter der Staubschicht des österreichischen Vergessens von der Gegenwart abgeschottet. Unter den Kapitelüberschriften "In Bereitschaft / Es schießt / Vier Frauen und ein Polizist / Das rote Herz der Provinz / Jenseits der Donau / Vorbei nicht vergangen / In achtzig Jahren" werden Sequenzen ausgehoben, die von der Niederschlagung des Aufstands der Arbeiterschaft und des Republikanischen Schutzbundes durch Heimwehrverbände und Militär berichten. So schreibt der kommunistische Moskau-Redakteur Ilja Ehrenburg 1934 in einer Prager Zeitung über jene Schichten, die gerne einen Bürgerkrieg hätten, und zählt sie dann makaber genau auf: "Sie griffen an: Die gebrechlichen Generale, Großgrundbesitzer, Tiroler Großbauern, Jesuiten, die Banden der Heimwehr, die Patrioten, die ihre Löhnung in italienischer Lire empfingen []" (21) Und am anderen Zeitzipfel des Bürgerkrieges versetzt sich Miroslav Krelka 1934 in die Situation, wie man wohl in achtzig Jahren (also in der Gegenwart) über den Bürgerkrieg empfinden wird. Und er sieht schwarz, weil man sich in Wien immer nur an Bälle, Kaiserbälle, Opernbälle erinnert. Angesichts der gegenwärtigen Burschenschafts-Bälle eine groteske Vision unter dem Titel "Wiener Variationen". (308) In der Einstimmung auf das Gedächtnislesebuch erklärt Erich Hackl, warum dieses Buch geradezu lebensnotwendig für das aufgeklärte Bewusstsein ist. Nach achtzig Jahren nämlich verlischt das zeitgenössische Gedächtnis und alles geht in einen Kram von Quellen und Historiographie über. Der Freiheitskampf 1934 wird bereits zunehmend mit Anführungszeichen geschrieben und somit relativiert, wenn er nicht gar zum Klamauk reduziert wird wie etwa in Franzobels Stück "Hunt". Dabei findet der Kampf gegen den Faschismus in Österreich als erstem Land statt, noch lange vor Spanien. Und die Sozialdemokratie als Nachfolgerin der geschlagenen Partei hat diesen Kampf als Erbe vollends abgestoßen. Aber auch die Texte haben es nicht leicht, sie werden von den Germanisten in ihrer Fetischisierung der literarischen Qualität ins Eck von Gebrauchstexten gestoßen, dabei haben die Texte durchaus eruptive Qualität, wie unter anderem Jean Amery, Ulrich Becher, Melitta Breznik, Michael Guttenbrunner, Franz Kain, Anna Seghers oder Jura Soyfer beweisen. Im Kältefieber ist ein wichtiger Erinnerungsband, der an das historische Gedächtnis der Österreicher appelliert, die österreichische Welt nämlich besteht auch 2014 nicht nur aus Schifahren und SUV. Helmuth Schönauer |